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Reisebericht

Reisebericht vom: 04.09.2026

Mit dem Raptor durch Dänemark und Schweden

522 Kilometer – auf der Karte ist das kaum mehr als ein kleiner Haken – von der deutschen Ostseeküste über die dänischen Inseln bis zur Südspitze Schwedens – aber wer nur fährt, verpasst alles.

Wir wollten nicht rasen. Wir wollten die Route atmen lassen: Zwei Fähren, eine Brücke, die wie ein Wunder wirkt, und dazwischen ein Stück Schweden, das sie selbst liebevoll Österlen nennen – Schwedens Toskana. Apfelplantagen, Fischerdörfer, Steine, die seit 1400 Jahren in den Wind starren, und ein Licht, das im Sommer einfach nicht enden will.

Die Fahrt von unserem Heimatdorf bis nach Puttgarden mit gut 700km auf Deutschen Autobahnen war einfach wieder das notwendige Übel und wir waren froh, als wir in der Wartespur zur Fähre standen.

Puttgarden – Der Abschied riecht nach Diesel und Salz (Fähre Puttgarden-Rødby)

Am Scandlines Check-in in Puttgarden stehen Wohnmobile aus ganz Europa Schlange – Kennzeichen aus NL, DK, SE, ein alter VW-Bus mit Surfbrett. Der Himmel über Fehmarn ist weit und windig. Möwen schreien.

Die Fähre nach Rødby ist der erste Schnitt. 45 Minuten über den Fehmarnbelt. Kaum hat das Schiff abgelegt, ist Deutschland nur noch eine graue Linie hinter uns. Auf dem Oberdeck pfeift der Wind, im Duty-Free riecht es nach Parfum und Kaffee. Wir holen uns ein Smørrebrød – dunkles Roggenbrot, eingelegter Hering, Dill. Unter uns zieht das grüne Wasser, manchmal weiß schäumend. Wir schauen in Fahrtrichtung und können am Horizont auch schon Dänemark sehen.

Dänemark empfängt uns flachwie ein Atelier-Tisch. Lolland ist keine Landschaft, die schreit – sie flüstert. Goldene Rapsfelder, rote Höfe, stille Landstraßen. Alles ist aufgeräumt und doch wild im Licht.

Hinter Rødby stoppen wir bei Hages Housing – tolle kleine Häuser direkt in die Dün gebaut, praktisch eingerichtet – genau richtig, um die erste Nacht noch mal in einem „richtigen Bett“ zu schlafen.

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Norden – völlig entspanntes Fahren auf Dänemarks Autobahn und dann kommt sie – die Öresundbrücke.

Erst verschluckt uns der Drogdentunnel – vier Kilometer unter dem Meer, gelbes Kunstlicht, ein leichtes Dröhnen in den Ohren – dann spuckt er uns wieder aus und da steht sie: Die Öresundbrücke. 7,8 Kilometer Stahl und Seile, die Pylone 204 Meter hoch, wie zwei Nadeln im Himmel. Dazu die künstliche Insel Peberholm, die aussieht, als hätte jemand ein Stück Legoland ins Meer gelegt.

Der Moment, wenn man auf die Brücke auffährt, ist Gänsehaut pur. Links Kopenhagen in der Ferne, rechts Malmö. Unter uns das tiefe Blau des Öresund. Es fühlt sich an wie Fliegen.

Maut 2026: ca. 59-65 Euro bei Online-Buchung (ØresundGO). Tipp, den wir beherzigen: Auf schwedischer Seite am Aussichtspunkt Lernacken anhalten. Dort steht man, der Wind zerrt an der Jacke, und fotografiert diese unmögliche Brücke, die zwei Länder zusammennäht.

Rigeleje – Unser Basecamp am Ende der Welt

Nordöstlich von Kivik, direkt am Nationalpark Stenshuvud, liegt Rigeleje Camping. Rigelejevägen 4 – eine Adresse, die nach Kiefern riecht.

Ein kleiner, naturnaher Platz unter knorrigen Kiefern, kaum mehr als eine Lichtung. Abends knistert ein Lagerfeuer, Kinder sammeln Steine. Wir bleiben vier Nächte – könnten aber viel länger bleiben.

Von hier aus wandern wir auf den Stenshuvud, nur 97 Meter hoch, aber ein Berg im besten schwedischen Sinn. Oben steht man auf blankem Fels, die Hanö-Bucht liegt vor einem wie ein ausgebreitetes Tuch, das Wasser dunkelblau, die Strände weiß. Der Badestrand von Rigeleje ist oft menschenleer. Man kann super barfuß über den Strand laufen, was aber im September schon eine kleine Herausforderung sein kann. September ist auch die perfekte Zeit, um Pilze fürs Abendessen zu sammeln – zum Glück sind Freunde von uns auch in der Nähe und so hatten wir die nötige Fachkompetenz in Sachen Pilze und haben sowohl das Sammeln, als auch das gemeinsame Abendessen genossen.

Das Licht hier ist das eigentliche Erlebnis; tolle Sonnenaufgänge, tagsüber klare Luft, Sonne und wunderschöne Wolken und ein unvergleichbares Abendrot – man vergisst die Zeit und lässt die Seele treiben.

Kivik – Wo Schweden nach Apfel duftet

Kivik nennt sich stolz Schwedens Apfelhauptstadt – und es riecht auch so. Nach 4 Tagen auf dem Campingplatz geht‘s für uns weiter – Ziel Trelleborg. Da wir Zeit haben, fahren wir entlang der Küste und nehmen noch mal die geballte Schweden-Ladung mit.

Überall Apfelplantagen, in Reih und Glied, die Blätter jetzt satt grün und die Zweige schwer von roten Früchten. Hofläden mit selbstgepresstem Apfelsaft und vielen anderen regionalen Produkten.

Unterwegs machen wir immer wieder Stopps, probieren Apfelsaft, so klar und süß-sauer wie ein Herbstmorgen, Cider und Apfelwein, dazu Apfelkuchen mit Vanillesauce.

Der kleine Hafen von Kivik ist bunt. Boote schaukeln, es gibt geräucherte Aale aus dem Rauchofen, kleine Galerien, Cafés, in denen der Zimt der Kanelbullar in der Luft hängt. Im September ist hier Apfelmarkt-Fest – das ganze Dorf feiert den Apfel. Auch wetterfeste Bekleidung kann man hier sehr gut kaufen, was unser später in Island noch zu gute kommen sollte 😉

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