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Blogbeitrag von Unterwegs

Blogbeitrag vom: 10.10.2026

Besuchsbericht: Lavahöhle Víðgelmir, Island

Datum / Zeit: 10. Oktober 2026, 10:00 Uhr

Ort: Víðgelmir, Hallmundarhraun Lavafeld, Borgarfjörður, West-Island

Wetter: Bewölkt, 7-8°C, kein Regen, windstill am Höhleneingang

Teilnehmer: 6 Touristen + 1 Guide (sehr kleine Gruppe)

Tour: The Cave – Víðgelmir, ca. 1,5 Stunden, mit Steg und Beleuchtung

Die Víðgelmir-Höhle ist mit 1585 m Länge, bis zu 15,8 m Höhe und 16,5 m Breite die mit Abstand größte Lavahöhle Islands und eine der größten der Welt nach Volumen. Sie entstand um ca. 900 n. Chr. – also zur Zeit der Landnahme – durch einen gewaltigen Ausbruch unter dem Langjökull, der das Hallmundarhraun-Lavafeld bildete.

Wir trafen uns direkt am Service-Haus oberhalb der beiden eingestürzten Deckenöffnungen, die die einzigen bekannten Eingänge sind. Durch das bewölkte Wetter war das Licht sehr weich – ideal für den Einstieg, kein grelles Gegenlicht am Eingang. Mit nur 6 Personen war die Gruppe ungewöhnlich klein, sehr angenehm und leise.

Unser Guide begann mit der Geologie:

Entstehung von Lavahöhlen:

Er erklärte das Prinzip des Lava-Tubes sehr anschaulich: Während die Oberfläche des Lavaflusses schnell abkühlt und eine feste Kruste bildet, fließt darunter die glühendheiße Lava mit über 1000°C weiter. Wenn der Nachschub versiegt, läuft die Röhre leer – zurück bleibt die Höhle. In Víðgelmir sieht man das perfekt an den Schmelzspuren, den Fließlinien an den Wänden und den farbigen Mineralablagerungen.

Bedeutung als Zufluchtsstätte:

Die Höhle war seit der Wikingerzeit bekannt. Archäologen haben im Inneren Knochen, Perlen und Schmuck aus der Besiedlungszeit gefunden. Der Guide berichtete, dass die Höhle im Mittelalter als Zuflucht für Geächtete diente – die isländischen Sagas erwähnen die Höhlen von Hallmundarhraun als Versteck. Die konstante Temperatur von knapp über 0°C und die geschützte Lage machten sie überlebenswichtig. Auch Schafe wurden hier zeitweise untergebracht.

Entdeckungen der letzten Jahre:

Sehr spannend waren die neuen Forschungen: Seitdem die Höhle mit einem schonenden 300m langen Steg und dezenter Beleuchtung erschlossen wurde, konnten Archäologen Bereiche untersuchen, die vorher unzugänglich waren. Dabei wurden weitere Hinweise auf frühe Besiedlung und ungewöhnliche Eisformationen im hinteren, kälteren Teil dokumentiert. Außerdem wird die Mikrofauna und die Entstehung der farbigen Tropfsteine aus erstarrter Lava (kein Kalk!) intensiv erforscht.

Höhepunkt: Absolute Dunkelheit

Am Ende des begehbaren Teils, ca. 300 Meter im Berg, ließ uns der Guide anhalten. Auf sein Zeichen wurde die gesamte künstliche Beleuchtung ausgeschaltet.

Der Effekt war sofort und total: Absolute Dunkelheit. Kein Schimmern, keine Kontur. Man sah nicht einmal die eigene Hand vor den Augen.

In dieser Stille forderte er uns auf, die anderen Sinne zu schärfen: Das leise Tropfen von Schmelzwasser, das eigene Atmen, die kühle, leicht schweflige Luft, die raue Struktur des Lavagesteins unter den Fingerspitzen. Nach etwa 2-3 Minuten begannen wir dann den Rückweg – ein kurzes Stück komplett ohne Licht, nur mit einer Hand an der Nachbarperson und am Geländer. Sehr spannend, etwas unheimlich und gleichzeitig sehr erdend. Man versteht sofort, wie es sich für die ersten Entdecker angefühlt haben muss.

Fazit:

Die Víðgelmir-Tour ist trotz guter Erschließung keine touristische Massenabfertigung – besonders toll mit einer kleinen Gruppe. Die Kombination aus Geologie, Geschichte und dem sehr bewusst inszenierten Dunkelheits-Erlebnis am Ende macht sie zu einer der besten Höhlen-Touren Islands.

Sehr empfehlenswert für alle, die mehr als nur bunte Lichter sehen wollen.

Hinweis:

Warme Kleidung, feste Schuhe und am besten auch Handschuhe sind Pflicht – in der Höhle ist es deutlich kälter als an der Oberfläche; Helm und Stirnlampe bekommt man gestellt

 
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